Du hast angefangen, dich zu zeigen. Erstes Reel raus, erste Story gepostet, vielleicht bist du sogar schon ein paar Monate konsequent dabei. Und dann: nichts. Keine Rückmeldung, keine DMs, keine Anfragen. Es herrscht gähnende Stille in deiner Inbox. 🦗

Das ist die Stelle, an der meistens einer von zwei Reflexen kommt. Entweder du denkst dir ”Ich brauche einfach besseren Content» und kaufst dir den nächsten Instagram-Kurs. Oder du denkst «Ich muss auf eine andere Plattform, ich brauche eine bessere Strategie». Ich sag’s dir gleich als Spoiler: beides bringt dich sehr wahrscheinlich nicht weiter. 😬

Wenn du dich zeigst und es kommt einfach keine Reaktion, liegt das Problem fast nie beim Content oder bei der Plattformwahl. (Aber das ist es, was dir alle Social Media Coaches erklären) Es liegt viel tiefer, nämlich bei zwei ganz fundamentalen Fragen: Wen willst du überhaupt erreichen? Und wie willst du wahrgenommen werden?

Genau diese zwei Fragen sind der Unterschied zwischen deiner Nische und deiner Positionierung. Und weil da draußen ständig alles durcheinander geworfen wird (Nische, Positionierung, Zielgruppe, alles irgendwie dasselbe, alles irgendwie auch nicht), klären wir das heute mal richtig. Versprochen: keine trockene Theorie, sondern so, dass es am Ende wirklich klar ist 👌🏼

Übrigens gibt es diesen Artikel auch als Podcast Folge #180 Nische oder Positionierung? Du brauchst wahrscheinlich beides, aber nicht gleichzeitig — Hier kannst du dir die Folge direkt anhören bei Spotify oder Apple Podcasts.

Was ist eigentlich eine Nische?

Ganz einfach gesagt beantwortet deine Nische als Coachin, Beraterin oder Trainerin zwei Fragen: das Was und das Wo.

Mit Wo ist gemeint, welche Zielgruppe du ansprichst und auf welchem Markt du unterwegs bist. Mit Was ist das Problem gemeint, das deine Zielkundin gerade hat. In welcher Situation steckt sie, was nervt sie, was will sie eigentlich lösen?

Ein Beispiel von meinen eigenen Kundinnen: Melli ist Familienfotografin. Ihre Zielgruppe sind andere Familienfotografinnen, die zwar richtig gute Fotos machen, aber trotzdem kaum Anfragen bekommen. Das ist ihre Nische. Klare Zielgruppe, konkretes Problem, fertig. ✔️

Zweites Beispiel: Evi-Madeleine bewegt sich an der Schnittstelle von Karriere und Persönlichkeitsentwicklung. Ihre Zielgruppe sind Mamas in Elternzeit, die nicht zurück in ihren alten Job wollen, aber auch nicht wissen, was stattdessen kommen soll. Auch das ist eine Nische, bei der man sich sofort einsortieren kann: bin ich das, oder bin ich es nicht?

Deine Nische ist dein Türöffner, nicht deine gesamte Arbeit

Und hier kommt der Moment, in dem sich die meisten selbst ein Bein stellen: die Nische soll nicht deine komplette Arbeit beschreiben. Sie ist der Türöffner, der Angelhaken, mit dem Menschen überhaupt erst auf dich aufmerksam werden. Der Grund, warum jemand kurz aufhört zu scrollen.

«Deine Nische ist nicht das, was deine Arbeit komplett beschreiben muss. Sie ist der Türöffner.»

Bei Evi-Madeleine zum Beispiel geht es im eigentlichen Coaching um so viel mehr als nur «welcher Job passt zu mir». Da geht es um Werte, um die eigene Identität und sie nutzt Human Design als Methode. Aber «Mamas in Elternzeit, die nicht wissen, was als Nächstes kommt» ist das, was ihre Kundin selbst in Worte fassen kann, lange bevor sie ahnt, wie tief das Thema eigentlich geht.

Und jetzt die gute Nachricht für alle, die insgeheim Angst vor einer zu engen Nische haben: je spezifischer deine Nische ist, desto weniger Konkurrenz hast du. Klingt erstmal nach weniger potenziellen Kundinnen, stimmt aber nur auf den ersten Blick. Eine kleine, glasklare Zielgruppe fühlt sich viel schneller angesprochen, und der Algorithmus kann sie viel leichter zu dir schicken. (Und das wollen wir doch!)

Bleibst du dagegen bewusst breit, konkurrierst du plötzlich nicht mehr nur mit anderen Coachinnen, sondern mit riesigen Influencer-Accounts, mit Werbeanzeigen von Onlineshops, mit allem und jedem, der gerade um dieselbe Aufmerksamkeit kämpft. Diesen Kampf müssen wir uns als Einzelunternehmerinnen einfach nicht antun 🙅🏼‍♀️

Kenne deinen Markt, bevor du deine Nische festlegst

Bevor du deine eigene Nische definierst, lohnt sich ein Blick auf die großen Coaching-Märkte, an denen sich fast alles orientiert. Ganz grob unterteilt sind das:

  • Business und Karriere
  • Life Coaching (der breiteste und umkämpfteste Markt überhaupt)
  • Persönlichkeitsentwicklung
  • Gesundheit und Wellbeing
  • Beziehung und Familie
  • Spiritualität
  • Finanzen und Money Mindset

Diese Märkte überschneiden sich ständig, und genau an diesen Schnittstellen entstehen oft die spannendsten Nischen(wie Evi-Madeleine, bei der Karriere fragen auf Persönlichkeitsentwicklung und Spiritualität treffen). Bevor du weiterliest, frag dich selbst einmal: in welchem Markt bewegst du dich eigentlich gerade? Und ist das wirklich der Markt, in dem du sein willst, oder bist du da eher reingerutscht, weil es sich gerade so ergeben hat? (Oder weil du denkst, dass man das halt so macht?)

Die Angst, dich einzuschränken

Wenn ich mit Coachinnen an ihrer Nische arbeite, kommt fast immer derselbe Einwand: «Ich will mich nicht so einschränken.» Was wirklich dahintersteckt, ist aber selten die Angst vor der Einschränkung selbst. Es ist die Angst, nicht gut genug oder nicht Expertin genug für ein einziges Thema zu sein. Hallo Hochstapler-Syndrom, alte Bekannte 🫠

Hier kommt der wichtigste Reframe der ganzen Sache:

«Deine Kundinnen sind auch keine Expertinnen in diesem Thema. Wären sie das, könnten sie ihr Problem selbst lösen.»

Du brauchst also keine krasse, jahrzehntelange Expertise. Du brauchst einfach nur zwei Schritte Vorsprung vor deiner Kundin. Extra Bonus-Punkte, wenn du das Thema selbst durchlebt hast und aus eigener Erfahrung sprichst.

Und noch etwas, das du dir wirklich merken darfst: deine Nische ist keine Ehe. Du bist nicht für immer mit ihr verheiratet, sie darf sich weiterentwickeln, genau wie du dich weiterentwickelst. Die Entscheidung für eine Nische ist nie nur eine strategische Entscheidung, sie ist immer auch eine Identitätsfrage. Deshalb tun sich so viele Coachinnen damit schwer, und das ist völlig normal. Du bist damit nicht allein, und du bist auch nicht «zu langsam» oder «zu unentschlossen».

In diesem Artikel zeige ich dir 3 Denkfehler, die die Meisten zu ihrer Nische machen und 4 neue Perspektiven, wenn du Angst hast dich zu sehr einzuschränken.

Okay, aber was ist dann Positionierung?

Nische geklärt, kommen wir zum spannenderen Teil.

Stell dir einen Eisberg vor. Deine Nische ist die Spitze, die über dem Wasser rausguckt: sichtbar, greifbar, das, was man auf den ersten Blick sieht. Deine Positionierung ist der riesige Rest darunter, der eigentlich viel mehr Substanz hat.

Deine Nische ist also nur ein Teil deiner Positionierung. Zur Positionierung gehört noch deutlich mehr:

Dein Angebot. Was du konkret anbietest, zu welchem Preis, und was deine Kundin damit tatsächlich erreichen kann.

Dein USP. Das, was dich von anderen in deiner Nische unterscheidet. Und ja, du darfst dir ruhig eine Nische aussuchen, in der es auch andere gibt (eine gute Nische muss nicht bedeuten, dass du die Einzige bist). Du brauchst nur etwas, das dich abhebt: dein Auftritt, deine Erfahrung, dein Preis, eine bestimmte Meinung, dein ganz eigener Ansatz.

Deine Message. Wofür du stehst, was deine Meinung ist. Genau das ist der Teil, der bei den meisten hinten runterfällt, weil man ja niemanden abschrecken will. Ironischerweise ist es aber oft genau das, was am meisten unterscheidet. (Deshalb habe ich auch Beef mit Professionalität)

Wo und wie du dich zeigst. Auf welchen Plattformen, in welcher Form und vor allem auch mit welcher Energie du auftrittst. Denn was du sagst, wird erst gehört, wenn deine Energie bei den Menschen ankommt.

Dein Branding. Ja, auch Farben und Schriftarten gehören theoretisch dazu, aber (Achtung, unpopuläre Meinung) das ist nur ein winzig kleiner Teil vom großen Ganzen. Ein knalliges Neon-Pink-Branding hilft dir vielleicht, wenn du zwischen tausend olivgrünen Flaschen im Supermarktregal auffallen willst. Am Ende buchen dich Menschen aber nicht wegen deiner Lieblingsfarbe, sondern weil du sympathisch bist, eine klare Haltung hast und deine Kundin sofort versteht, was sie bei dir bekommt.

Dein Vibe. 🐭 Also mit welchem Selbstbewusstsein und welcher Energie du überhaupt sichtbar wirst. Das wird meistens unterschätzt, ist aber tatsächlich ein sehr wichtiger Faktor.

Nina und Lea: gleiche Nische, komplett unterschiedliche Ergebnisse

Hier ist ein kleines Gedankenexperiment, das es noch viel deutlicher zeigt. Zwei Coachinnen, nennen wir sie Nina und Lea. Beide begleiten Frauen, die aus dem Corporate Job raus in die Selbstständigkeit wollen. Gleiche Zielgruppe, gleiches Problem, fast identisches Angebot. Trotzdem postet Nina seit einem Jahr regelmäßig und bekommt kaum Anfragen, während Lea eine Warteliste hat.

Nina schreibt zum Beispiel: «Ich begleite Frauen auf ihrem Weg in die berufliche Selbstständigkeit mit individuellen Strategien für einen erfüllten Karriereweg.» Klingt professionell, oder? Klingt aber auch wie 50 andere Beraterinnen. Niemand liest das und denkt «die versteht mich wirklich». Safe heißt in diesem Fall einfach: austauschbar.

Lea schreibt dagegen: «Du sitzt seit Monaten in Meetings und denkst dir insgeheim, dass du eigentlich kündigen willst. Ich helfe dir, den Absprung zu planen, bevor die Kündigung zur Panikreaktion wird.»

«Der Unterschied zwischen Nina und Lea ist nicht ihre Nische. Es ist die Positionierung.»

Inhaltlich macht Lea fast dasselbe wie Nina. Aber die Meinung, eine Haltung, eine ganz konkrete Situation, das ist es, was den Unterschied macht. Eine bestimmte Frau liest das und denkt sich: ”Das bin ich, genau so geht es mir”. Die eine fühlt sich angesprochen, die andere denkt «Ah okay, ganz interessant» und scrollt weiter.

Erst die Nische, dann die Positionierung

Um es noch mal ganz klar zusammenzufassen: die Nische beantwortet die Frage, was du machst. Die Positionierung beantwortet, warum ausgerechnet du die Richtige dafür bist und warum man dich buchen sollte. Beides zusammen macht dich am Ende sichtbar und buchbar, aber die Reihenfolge zählt: erst die Nische, dann die Positionierung.

Wenn du beim Lesen gemerkt hast, dass Schritt eins bei dir noch nicht wirklich sitzt, dann ist genau das dein nächster logischer Schritt, bevor du dich überhaupt mit Positionierung beschäftigst. Sobald deine Nische steht, können wir über das Thema Positionierung weitersprechen, denn da gibt es noch richtig viel zu holen 👀

In Nail your Niche™ zeige ich dir, wie du in 90min deine Nische als Coachin, Beraterin oder Expertin auf den Punkt bringst, sodass du endlich sichtbar werden kannst für deine Dream Clients.

Häufige Fragen zu Nische und Positionierung

Brauche ich als Anfängerin schon eine Positionierung, oder reicht erstmal die Nische? Am Anfang reicht eine klare Nische völlig aus. Aber du hast im Beispiel gesehen, dass die Nische allein noch keine Kundinnen bringt. Was wirklich den Unterschied macht, ist eine klare Positionierung. Diese entwickelt sich über die Zeit auch weiter, aber es lohnt sich am Anfang Zeit zu investieren, denn eine Positionierung ist das Fundament von jedem erfolgreichen Business.

Kann meine Nische zu eng sein? In der Praxis ist das seltener ein Problem, als du denkst. Meistens ist die Nische eher zu breit, weil die Angst besteht, jemanden auszuschließen. Eine enge Nische bedeutet nicht, dass du für immer nur dieses eine Thema bearbeitest, sie ist nur dein Einstiegspunkt. Also keine Angst vor einer zu engen Nische 😉

Muss ich die Einzige in meiner Nische sein? Nein. Eine gute Nische ist nicht dadurch definiert, dass es niemanden sonst gibt. Und das verstehen Viele falsch: Du musst nicht eine Nische finden, die es noch nie gab. Ehrlicherweise macht das die Sichtbarkeit sogar schwieriger. Wenn es schon andere in deiner gewählten Nische gibt, ist es ein gutes Zeichen, dass es bereits Nachfrage dafür gibt. Wichtig ist aber, dass du einen klaren USP hast, der dich von anderen in derselben Nische unterscheidet.

Wie finde ich meine Positionierung, wenn ich meine Meinung nicht so klar zeigen will? Genau das ist meistens der Knackpunkt. Eine klare Positionierung bedeutet nicht, andere abzuschrecken oder auf Biegen und Brechen anzuecken. Sie bedeutet, dass sich die richtigen Menschen sofort verstanden fühlen, auch wenn dadurch nicht jede und jeder angesprochen wird.

Ändert sich meine Nische, wenn sich mein Business weiterentwickelt? Ja, auf jeden Fall! Ich kenne fast niemanden, die nach Jahren immer noch in der gleichen Nische unterwegs ist wie am Anfang. Das ist völlig normal, denn deine Nische ist keine Ehe und sie darf sich mit dir verändern.